Neue Wohn- und Betreuungsformen im Jura-Dorf Wiedlisbach

I-2020-067 / Bewilligungsjahr: 2020

Mit dem Jura-Dorf Wiedlisbach entsteht das erste «Demenzdorf» der Schweiz. Ergänzt wird das viel diskutierte Pflegeangebot durch weitere Wohnformen, die in einem umgenutzten Hochhaus entwickelt und umgesetzt werden. Dort sollen auch Personen wohnen können, die in unmittelbarer Nähe ihrer an Demenz erkrankten Angehörigen leben möchten. 

Projektbeschrieb

Mit dem Projekt «Jura-Dorf Wiedlisbach» soll ein (für die Schweiz) neues Modell für die stationäre Pflege demenzerkrankter Personen umgesetzt werden. Es orientiert sich am Vorbild «De Hogeweyk» bei Amsterdam. Der Ansatz von «De Hogeweyk» besteht darin, dass eine geschützte, dorfähnliche Umgebung mit lebensweltgerechten und überschaubaren Wohneinheiten für eine grösstmögliche Bewegungsfreiheit der Bewohner sorgt. Das Normalitätsprinzip wird durch kleine, überschaubare Wohngruppen hergestellt. Auch das Jura-Dorf soll seinen Bewohnerinnen und Bewohnern möglichst viel Freiheit und Normalität bieten und gleichzeitig die notwendige Sicherheit im Alltag gewährleisten.

Die treibende Kraft hinter dem Grossprojekt ist die Immobilien Genossenschaft Oberaargau (IGO), die im Jahr 2017 aus dem ehemaligen Oberaargauischen Pflegeheim Wiedlisbach hervorgegangen ist und 41 Mitgliedsgemeinden zählt. Nach einer langwierigen Vorbereitungsphase ist der Baustart im Jahr 2019 gelungen. Die Betriebsaufnahme des ganzen Dorfes ist im Jahr 2024 geplant. Das komplexe Projekt besteht aus Neubauten, Ersatzneubauten und Umnutzungen. Im Endausbau bilden vier Häuser den Kern des Jura-Dorfs. Dort werden insgesamt 112 Bewohner in 16 Wohngruppen leben.

In den übrigen Gebäuden befinden sich die ergänzenden Angebote für die Bewohnerinnen und Bewohner, Angehörigen und Gäste des Dorfes – die sogenannten «Dorfnutzungen». Sie sind ein wesentliches Element des Konzepts. Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist das bestehende sechsstöckige Hochhaus. Während im ersten und zweiten Stock dieses Hochhauses weiterhin Menschen mit körperlichen und kognitiven Behinderungen wohnen sollen, sind in den oberen vier Stockwerken neue Nutzungen geplant. Im Vordergrund stehen dabei ergänzende Wohnangebote im Rahmen des Demenzdorfes, bspw. Wohnangebote für Angehörige, die nicht dement sind, aber gerne in der Nähe ihres Partners leben möchten, sowie Formen des betreuten Wohnens. Über die Möglichkeiten, welche diese Umnutzung bietet, wird ein Erfahrungsbericht informieren. Im Newsletter der Age-Stiftung wird zu gegebener Zeit das Erscheinen des Berichts gemeldet werden.

Eckdaten

TrägerschaftImmobilien Genossenschaft Oberaargau
ProjektleitungMartin Sommer
Partnerorganisationendahlia oberaargau ag
Architektur / BeraterMartin Furter, Langenthal
Weitere BeraterGWJ, Bern
FinanzierungspartnerBank
Gesamtprojektkosten CHF 3 Mio.
Beitrag der Age-StiftungCHF 220'000
Projektdokumentationerscheint ca. 2024

Kommentar der Age-Stiftung

Kommentar zur Bewilligung 2020

Das Modell «Demenzdorf» kann immer noch seinen Innovationsanspruch geltend machen. Dies nicht zuletzt deshalb, weil es in Fachkreisen auch nach mehreren Jahren immer noch kontrovers diskutiert wird. Die Förderung durch die Age-Stiftung zielt jedoch in erster Linie auf die Umnutzung des bestehenden Hochhauses ab, wo ebenfalls innovative neue Wohnangebote entwickelt werden sollen. Sie können unabhängig vom Dorfkonzept ein eigenes Innovationspotenzial entfalten, das andere stationäre Einrichtungen inspirieren kann.

Bilder

Materialien zum Projekt

Profil

Matrix: IGO Cluster Wohnen, I-2020-067, BE

IGO Cluster WohnenI-2020-067
Vorsorge (Sicherheit)Wohntypus (Autonomie)
Pflege
Hilfe & Betreuung
Soziale Einbindung
Wohnung
PrivatOrganisiertInstitutionell

Schwerpunkte

Stationäres Wohnen
Heim  · Altersheim  · Pflegeheim  · Alters- und Pflegeheim   · APH  · Reha  · Rehabilitation  · Übergangspflege  ·
Demenz
Alzheimer  · Demenz  · Demenzgärten  · Demenzüberwachung  · Demenzberatung  ·
Angehörige
Pflegende Angehörige  · Betreuende Angehörige  · Angehörigenpflege  ·

Kontakt

30.12.2020