Älterwerdende Obdachlose besser verstehen und bedürfnisgerecht begleiten
Das Forschungsprojekt «CONNECT» der Berner Fachhochschule untersucht die Lebensrealitäten von Menschen mit Obdachlosigkeitserfahrungen im Zuge des Älterwerdens. Es zeigt Wege auf, wie Unterstützungsangebote entlang der Bedürfnisse der Zielgruppe ausgerichtet werden können.
Projektbeschrieb
Obdachlosigkeit geht mit äusserst prekären Lebensbedingungen einher und schränkt grundlegende Bedürfnisse substanziell ein. Gesundheitliche Veränderungen im Zuge des Älterwerdens akzentuieren bestehende Herausforderungen, und es wird vermutet, dass eine langjährige Obdachlosigkeit eine Frühalterung sowie frühzeitige Pflegeabhängigkeiten begünstigt. Niederschwellige Einrichtungen berichten bereits heute, dass spezialisierte Angebote für ältere obdachlose Menschen bislang fehlen.
Die Schweiz verfügt über wenige verlässliche Daten bezüglich Obdachlosigkeit. Schätzungen zufolge kann schweizweit von 1000 bis 3000 Menschen ausgegangen werden, weitere 8000 Personen dürften von einem Wohnungsverlust bedroht sein. Gegenwärtig fehlen insbesondere Informationen zum Älterwerden der betroffenen Personen. Die Departemente Gesundheit und Soziale Arbeit der Berner Fachhochschule untersuchen daher in diesem Projekt (2026–2028) die Prozesse des Älterwerdens bei Menschen mit Obdachlosigkeitserfahrungen, wobei die Bedürfnisse der Betroffenen hinsichtlich Gesundheit, Wohnung und Unterstützung sowie die daraus abgeleiteten Implikationen für Betroffene, ihre Caring Communities (andere Bezugspersonen aus ihren Netzwerken) und für Versorgungsangebote in den Städten Bern und Zürich im Zentrum stehen.
In zwei Vorgängerprojekten konnte bereits ein umfassendes Netzwerk an Praxispartnern aufgebaut werden. Dazu gehören Gassencafés, aufsuchende Dienste, stationäre Einrichtungen und Notschlafstellen, die mit der Zielgruppe in Kontakt stehen und auch im aktuellen Projekt eingebunden werden. In einer ersten Phase werden mittels ethnografischer Zugänge Lebenslagen, Bedürfnisse und Herausforderungen älterwerdender Obdachloser in Bern und Zürich erforscht. Darauf aufbauend wird in partizipativen Workshops ein praxisorientiertes Produkt iterativ entwickelt, getestet und evaluiert. Es wird eine fachlich fundierte Handlungsorientierung für die Begleitung der Zielgruppe bieten und richtet sich sowohl an Fachpersonen und institutionelle Angebote als auch an die Caring Communities. Die Projektergebnisse werden mit einer breit angelegten Implementierungs- und Disseminationsstrategie in Praxis, Forschung und Lehre einfliessen.
Das Projekt generiert fundiertes Wissen über Ursachen, Verläufe und Auswirkungen frühzeitiger Alterungsprozesse und unterstützt Fachpersonen dabei, eine bedürfnisgerechte Begleitung sicherzustellen und bestehende Angebotsstrukturen weiterzuentwickeln. Abonnieren Sie den Newsletter und die Social-Media-Kanäle der Age-Stiftung, um über den abschliessenden Forschungsbericht und das praxisorientierte Schlussprodukt informiert zu werden.
Eckdaten
Trägerschaft
Berner Fachhochschule Departemente Gesundheit & Soziale Arbeit
Projektleitung
Sabrina Laimbacher Simone Gäumann
Partnerorganisationen
tba
Projektlaufzeit
2026–2028
Gesamtprojektkosten
CHF 199'920
Beitrag der Age-Stiftung
CHF 150'000