Freiwilliges Engagement im hohen Alter
Freiwilliges Engagement gilt als tragender Pfeiler des sozialen Zusammenhalts in der Schweiz. Über das freiwillige Engagement von Hochaltrigen war bisher wenig bekannt. Die HSLU hat in dieser Studie untersucht, welche Formen und Grenzen das freiwillige Engagement hochaltriger Menschen kennzeichnen.
Projektbeschrieb
In der Schweiz engagieren sich viele Menschen freiwillig, sowohl im formellen als auch im informellen Bereich. Gemäss dem «Freiwilligen-Monitor Schweiz» (2025) sind 41% der Bevölkerung formell freiwillig tätig, 51% leisten informelle Freiwilligenarbeit. Was aber geschieht, wenn das freiwillige Engagement mit zunehmendem Alter und der damit einhergehenden Fragilisierung auf der Kippe steht? Dieser Frage ist das Departement Soziale Arbeit der Hochschule Luzern (HSLU) im Rahmen eines qualitativen Forschungsprojekts (2025–2026) nachgegangen. Die Projektumsetzung erfolgte in Zusammenarbeit mit sieben Praxispartnern aus dem Bereich der formalisierten Freiwilligenarbeit in städtischen und ländlichen Gebieten. Auf Basis einer Literatur- und Dokumentenanalyse sowie leitfadengestützter Interviews mit Organisationsvertretenden und 13 hochaltrigen Freiwilligen (80+) wurden zentrale Faktoren für ein gelingendes Engagement identifiziert und in einem partizipativen Workshop mit der Praxis rückgekoppelt.
Die Studie zeigt: Engagement im hohen Alter ist stark individuell geprägt, ein klar definierter Endpunkt existiert nicht – der Ausstieg wird situativ ausgehandelt, wobei Gesundheit, Mobilität und soziale Einbindung eine zentrale Rolle spielen. Zugleich ist Engagement für viele Hochaltrige eine wichtige Quelle von Sinn, sozialer Teilhabe und Identität. Der Kipppunkt «zu alt für ein Engagement» lässt sich pauschal nicht bestimmen; weder Organisationen noch Freiwillige selbst können ihn eindeutig benennen. Ein Offboarding-Prozess zum Abschluss des Engagements fehlt bislang in allen befragten Organisationen. Die Studie plädiert für ein Altersbild, das neben der Wertschätzung von Erfahrung und Kompetenz auch das Recht auf Rückzug und Unverfügbarkeit als gleichberechtigte Form der Teilhabe anerkennt. Die Erkenntnisse wurden zu praxisnahen Leitsätzen, Handlungsempfehlungen und einer Reflexionshilfe für Freiwilligenorganisationen und freiwillig Engagierte verdichtet.
Eckdaten
Trägerschaft
Institut für Soziokulturelle Entwicklung an der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit
Projektleitung
Prof. Simone Gretler Heusser
Prof. Dr. Mario StörkleProjektlaufzeit
2025–2026
Gesamtprojektkosten
CHF 105'000
Beitrag der Age-Stiftung
CHF 75'000