Interaktionsschulung für Freiwillige in der häuslichen Demenzbetreuung
Sobald demenzielle Erkrankungen zu Kommunikationsschwierigkeiten führen, stossen freiwillige Entlastungs- und Betreuungsdienste oft an ihre Grenzen. Das Institut Alter der Berner Fachhochschule BFH hat deshalb eine Interaktionsschulung für Freiwillige entwickelt, erprobt und evaluiert, die das bestehende Schulungsprogramm für betreuende Angehörige ergänzt und dem Modell «Eigenweltorientierte Kommunikation Demenz» folgt.
Projektbeschrieb
Die Betreuung von Menschen mit demenzieller Erkrankung wird im Krankheitsverlauf immer intensiver und führt unausweichlich zu Kommunikationsschwierigkeiten mit der erkrankten Person. Für die betreuenden Angehörigen ist dies eine weitere und bedeutende Belastung. Für sie steigt das Risiko, unter der emotionalen und körperlichen Betreuungslast zu zerbrechen und selbst krank zu werden. Gleichzeitig können die krankheitsbedingten Kommunikationsprobleme die Entlastung durch Freiwillige verunmöglichen. Deshalb regten Freiwilligen- und Fachorganisationen die Entwicklung einer Interaktionsschulung für Freiwillige an, die das bereits bestehende Schulungsprogramm der Berner Fachhochschule für betreuende Angehörige ergänzt.
Im Rahmen dieses Innovationsprojekts 2024–2026 hat die Berner Fachhochschule BFH eine Schulung für Freiwillige entwickelt und evaluiert, die dem Modell «Eigenweltorientierte Kommunikation Demenz» folgt. Die Schulung wurde 2025 erstmals mit 32 Freiwilligen in Bern und Luzern durchgeführt. Die Wirkungsevaluation anhand von 379 dokumentierten Begleitsituationen zeigt signifikante Effekte: Freiwillige mit hoher eigenweltorientierter Kommunikationskompetenz erlebten Begleitsituationen als weniger herausfordernd und stressbelastet und fühlten sich danach wacher, gelassener und zufriedener. Bei den begleiteten Menschen mit Demenz beobachteten sie eine im Verlauf abnehmende Beunruhigung, zunehmende Kooperationsbereitschaft sowie vermehrt Signale von Sicherheit, Freude und Nähe. Die Schulung erwies sich damit als wirksames Mittel gegen den Abbruch freiwilligen Engagements aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten. Die Schulung bezieht sich nicht nur auf den privaten Betreuungsraum, sondern auch auf Nachbarschaft, Quartier und Gemeinde. Geschulte Freiwillige wirken als Botschafterinnen und Multiplikatorinnen für Demenzfreundlichkeit.
Aus den Pilotdurchführungen ging ein modular aufgebautes Curriculum hervor (Basis-, Aufbau- und Zertifizierungsmodul), das einen niederschwelligen Einstieg und bedarfsgerechte Vertiefung ermöglicht. Die Interaktionsschulung wurde ins «CAS Eigenweltorientierte Kommunikation Demenz» der BFH integriert (Start April 2026). Absolventinnen sind als zertifizierte Trainerinnen befähigt, Interaktionsschulungen für Angehörige und Freiwillige zu planen, durchzuführen und zu evaluieren. Der Schlussbericht fasst die Ergebnisse des Projekts zusammen und richtet sich an Interessierte zu Demenzfreundlichkeit, Freiwillige, Freiwilligenorganisationen und Gemeinden.
Dokumentation
Eckdaten
Trägerschaft
Institut Alter, Berner Fachhochschule BFH
Projektleitung
Bernhard Müller, Prof., Dozent am Institut Alter der BFH
Partnerorganisationen
Alzheimer Bern, SRK Kt. Bern, Benevol Kt. Bern, Kompetenzzentrum Alter der Stadt Bern, Gemeinden, Kirche
Projektlaufzeit
2022–2026
Gesamtprojektkosten
CHF 165'000
Beitrag der Age-Stiftung
CHF 90'000