«Präklinische Fachspezialisten» in der Notfallversorgung

Die Fachhochschule OST und die Rettung St. Gallen AG entwickeln und evaluieren gemeinsam ein neues Berufsbild im Rettungsdienst, um die Notfallversorgung älterer Menschen zu verbessern und unnötige Hospitalisationen zu vermeiden.

Projektbeschrieb

Die Einsatzzahlen im Rettungsdienst sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, wobei rund ein Drittel der Notrufe nur leichte oder geringe Funktionsstörungen betrifft – häufig ausgelöst durch Unsicherheit, Einsamkeit oder fehlende Alternativen. Gleichzeitig nimmt bei älteren Menschen die Komplexität der gesundheitlichen und psychosozialen Problemlagen zu. In diesem zweijährigen Projekt (2026–2027) möchte die Rettung St. Gallen AG zusammen mit dem Institut für Modellbildung und Simulation der Fachhochschule OST die Notfallversorgung der Bevölkerung in der Schweiz mit «Präklinischen Fachspezialisten PFS» verbessern. Diese speziell geschulten Rettungskräfte sollen in der Lage sein, nicht lebensbedrohliche Probleme vor Ort zu lösen und unnötige Hospitalisationen zu verhindern. Dazu wird das Berufsbild der «Präklinischen Fachspezialisten PFS» entwickelt, ihre Handlungskompetenzen werden definiert und die Wirkung im Einsatzalltag anhand klarer Zielindikatoren evaluiert. Die PFS sollen in der Lage sein, komplexe Situationen differenziert zu beurteilen, alternative Versorgungswege einzuleiten und unnötige Spitaleinweisungen zu vermeiden. Die Einführung des neuen Berufsbildes bedingt einen organisationsweiten Change-Prozess, damit alle Prozesse gut ineinandergreifen. Dieser wird durch interne und externe Kommunikationsmassnahmen unterstützt.

Im Einsatz trifft die Rettungssanität oft auf ältere Menschen, die unter Multimorbidität, Polymedikation sowie nicht diagnostizierten psychischen Belastungen und psychosozialen Herausforderungen leiden. Viele Einsätze führen in Pflegeheime oder instabile häusliche Situationen. Präklinische Fachspezialisten können aufgrund ihrer erweiterten Expertise bereits am Einsatzort eine differenziertere Beurteilung vornehmen, während reguläre Rettungsdienstmitarbeitende aufgrund des grossen Zeitdrucks oft nur die Option haben, Patienten ins Krankenhaus zu bringen. Die Erkenntnisse aus dem Projekt werden in Form eines interaktiven digitalen Erfahrungsberichts öffentlich zugänglich gemacht und sollen als fachliche Grundlage zur Weiterentwicklung der Notfallversorgung in der gesamten Schweiz dienen. Abonnieren Sie den Newsletter und die Social-Media-Kanäle der Age-Stiftung, um von der Publikation zu erfahren.

Eckdaten

  • Trägerschaft

    Ostschweizer Fachhochschule – Institut für Modellbildung und Simulation

  • Projektleitung

    Florian Zahorka Christoph Strauss

  • Partnerorganisationen

    Rettung St. Gallen AG

  • Projektlaufzeit

    2026–2027

  • Gesamtprojektkosten

    CHF 570'000

  • Beitrag der Age-Stiftung

    CHF 200'000