Scham erkennen und professionell begleiten

Scham hindert viele ältere Menschen daran, die notwendige Unterstützung anzunehmen. Public Health Services entwickelt darum ein modulares, multimediales Schulungsangebot, das Fachpersonen befähigt, Scham zu erkennen und sensibel damit umzugehen.

Projektbeschrieb

Viele ältere Menschen erleben körperliche Veränderungen, Unterstützungsbedarf oder finanzielle Schwierigkeiten als beschämend und ziehen sich zurück – oft mit der Folge, dass Unterstützung zu spät oder gar nicht erfolgt. Beeinträchtigungen, die im Alter auftreten können, sind oft schambehaftet: Inkontinenz, Vergesslichkeit, finanzielle Armut oder Unterstützungsbedarf im Alltag. Scham kann dann zu Vermeidungsverhalten führen – wenn Termine wiederholt verschoben werden oder wichtige Informationen «vergessen» gehen. Aufbauend auf dem Vorgängerprojekt «Annahme von Unterstützung im Alter – gewusst wie!» entwickelt Public Health Services das bestehende Workshopkonzept zum professionellen Umgang mit Scham weiter und überträgt es in flexible E-Learning-Module und Präsenzkurse. Ziel ist es, Fachpersonen aus Gesundheits-, Sozial- und Beratungsberufen praxisnah zu schulen, damit sie subtile Schamsignale erkennen und schwierige Themen professionell ansprechen können. Von 2026 bis 2028 werden zunächst alle Grundmodule erarbeitet und beim Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF getestet und evaluiert. Ergänzend entstehen multimediale Materialien wie Interviews, Fallbeispiele, Reflexionsaufgaben und Interaktionselemente. Die Kurse werden so gestaltet, dass sie später adaptiert und in Lehrgänge am Careum und bei HPlus Bildung integriert, werden können. 

Fachpersonen, die Scham erkennen und sensibel damit umgehen, ermöglichen ihren Klientinnen und Klienten, Unterstützung würdevoll anzunehmen. Durch respektvolle Kommunikation und Empowerment können sie Schamgefühle reduzieren und Selbstwirksamkeit stärken. Da Scham ein intimes und tabuisiertes Gefühl ist, wird es ungern angesprochen und bleibt oft als unsichtbare Barriere bestehen. Die multimedialen Lerninhalte werden open-source zur Verfügung gestellt. Sie vermitteln das Thema praxisnah und sind so aufbereitet, dass sie in unterschiedliche Bildungs- und Praxisfelder einfliessen können. Ein Erfahrungsbericht von Public Health Services wird reflektieren, inwiefern es damit gelingt, Scham als unsichtbare Hürde sichtbar und bearbeitbar zu machen.

Eckdaten

  • Trägerschaft

    PHS Public Health Services

  • Projektleitung

    Dr. Corina Salis Gross Bereichsleiterin Diversität und Chancengleichheit

  • Partnerorganisationen

    Schweizer Institut für Sucht- und Gesundheitsforschung ISGF, Abt. Weiterbildung Careum Weiterbildung, Aarau HPlus Bildung AG, Lehrgänge FALB und FWPSY, Aarau

  • Projektlaufzeit

    2026–2028

  • Gesamtprojektkosten

    CHF 251'000

  • Beitrag der Age-Stiftung

    CHF 150'000