Sicherheit durch 3D-Radar in der Langzeitpflege
3D-radarbasiertes Mobilitätsmonitoring wurde bisher in der Langzeitpflege noch wenig genutzt. Ein Pilotprojekt im Neubau des Zentrums Haslibrunnen wurde wissenschaftlich begleitet und liefert praxisnahe Erfahrungswerte für Institutionen, Forschende und Technologieanbieter.
Projektbeschrieb
Die Haslibrunnen AG ist für Langenthal und die ganze Region ein Zentrum für die Unterstützung und Betreuung von älteren Menschen und generell für eine umfassende Beratung in allen Fragen des «Älterwerdens». Im Herbst 2023 nahm sie den Betrieb des neu gebauten Zentrums auf. Das moderne Dienstleistungszentrum verfügt über 152 stationäre Plätze, die in 15er-Wohngruppen geführt werden, sowie über Spezialabteilungen für die Übergangspflege, die Palliative-Pflege und für Menschen mit Demenz. Das Wohnangebot wird flankiert von einem Tageszentrum, einem umfangreichen Aktivierungsangebot, Physio- und Ergotherapie sowie Coiffeur und Podologie. Eine öffentlich zugängliche Gastronomielandschaft und ein generationenverbindender Begegnungspark runden das Angebot ab.
Im Wohnbereich des Neubaus wird seit November 2023 das 3D-radarbasierte Mobilitätsmonitoring-System QUMEA flächendeckend eingesetzt. Es erkennt Situationen wie Bettausstieg, Sturz oder nächtliche Unruhe automatisch und in Echtzeit – ohne visuelle Daten zu erheben – und kann so gezielt und frühzeitig Hilfe anfordern. Die Technik ist unsichtbar in die Deckenleuchten der Zimmer und Nasszellen integriert und ersetzte vom ersten Tag des Einzugs an alle bisherigen Sicherheitssysteme wie Klingelmatten.
Die Berner Fachhochschule begleitete die Einführung von 2023 bis 2025 mit einer mehrphasigen, mixed-methods Langzeitstudie. Die Ergebnisse zeigen: Die Technologieadoption gelang: Das Pflegepersonal berichtet heute von einem erhöhten Sicherheitsgefühl, verbesserter Reaktionsfähigkeit bei Sturzereignissen und neuen Möglichkeiten für eine personenzentrierte Pflege, etwa durch die Auswertung von Aktivitäts- und Schlafmustern. Die unkorrigierte Sturzrate nahm über die drei Messphasen deutlich ab. Gleichzeitig zeigt die Studie: Der Mehrwert entfaltet sich nicht automatisch – er braucht ein Vorprojekt als Phase zur Annäherung an die Technologie, eine durchdachte Kommunikationsstrategie, kontinuierliche Begleitung durch den Technologieanbieter und eine Unternehmenskultur, die Offenheit gegenüber Veränderungsprozessen und Geduld mit anfänglichen «Kinderkrankheiten» lebt.
Was macht eine erfolgreiche Technologieadoption in der stationären Langzeitpflege aus – und welche Rolle spielen dabei Vertrauen, Fehlalarme und zwischenmenschliche Beziehungen? Der Schlussbericht gibt praxisnahe Antworten und richtet sich an Institutionen, Forschende und Technologieanbieter gleichermassen.
Dokumentation
Eckdaten
Trägerschaft
Haslibrunnen AG
Projektleitung
Hansjörg Lüthi, Geschäftsführer
Partnerorganisationen
QUMEA
Projektlaufzeit
2022–2025
Gesamtprojektkosten
CHF 420’000
Beitrag der Age-Stiftung
CHF 210'000
(CHF 90’000 für Projektförderung und CHF 120'000 für Evaluation inkl. Pretesting im laufenden Betrieb)